Zeidlerei in Rheinland-Pfalz - Die Rückkehr der Waldbiene

 

Mit dem Projekt "Zeidlerei in Rheinland-Pfalz - Die Rückkehr der Waldbiene" will die LZU zum einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten und zugleich ein wirksames Instrument der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung schaffen.

Das Projekt wird im Rahmen der Aktion Grün des Umweltministerium aufgelegt. Die Aktion Grün will dem Artensterben entgegenwirken.

Projektziele:

  • die ursprünglich in unserem Raum
  • heimische Honigbiene Apis mellifera mellifera wieder ansiedeln
  • die Imkerei auf das zweite Standbein "Zeidlerei" zu stellen und so dazu beitragen, dass Bienen wieder im Wald frei und heimisch sind
  • die Kulturtechnik der Zeidlerei wieder erlernen und fortentwickeln
  • begleitende Forschung ermöglichen
  • den Honigbienen allgemein wieder ein eigenständiges Überleben in unserer Landschaft ermöglichen
  • anhand der Zeidlerei Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) praktisch und anschaulich umsetzen
  • die Öffentlichkeit und Besucher unserer Region für die Bienen gewinnen

Die Waldbiene Apis mellifera mellifera etablierte sich seit der Eiszeit in den urspünglichen, von den Menschen noch nicht gerodeten Waldlandschaften Mitteleuropas bis zum Ural. Diese Waldbiene  kommt nördlicher vor, als die anderen Honigbienenrassen, und kommt deshalb bei den geringeren Temperaturen in Wäldern besser zurecht. Durch die intensive Waldnutzung und Forstwirtschaft vergangener Jahrhunderte und Jahrzehnte gibt es nicht genügend natürliche Baumhöhlen für die Bienenschwärme, weshalb Honigbienen ohne menschliche Betreuung kaum überleben können.

Die Zeidlerei mit der Waldbiene ist die naturnächste Art der Bienenhaltung. Denn neben der Bienenwohnung im lebenden Baum, und in großer Höhe, ist Zeidlerei reine Schwarmbienenhaltung, das heißt, die Bienenvölker vermehren sich ausschließlich auf natürliche Art über den Bienenschwarm. 

Auch für die Bildungsarbeit ist ein natürlicher Schwarm von Bienen ein ganz besonderes Erlebnis.

Projektverlauf:

Zeidlereikurse:

In Zusammenarbeit mit dem Imkerverband Rheinland-Pfalz, dem Naturpark Saar-Hunsrück, dem Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz (PL), sowie dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald und nicht zuletzt der Imkerei "Sabienen" aus Paderborn führt die Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (LZU) Zeidlereikurse durch.

Im Jahr 2017 fand ein erster Zeidlereikurs im Nationalpark Hunsrück-Hochwald statt. Dabei bauten 36 Teilnehmende etwa 15 Klotzbeuten, die zum Teil bei den Erbauern, zum Teil im Nationalpark aufgestellt werden und so die Grundlage für die ersten Zeidlereistationen in Rheinland-Pfalz bilden. Die Teilnehmenden des praktischen Teils der Veranstaltung wurden so in die praktische und bei den Abendveranstaltungen außerdem theoretisch in die Arbeit der Zeidlerei eingeführt und stellen die Gruppe der potentiell neuen Zeidler in Rheinland-Pfalz.

Beim Zeidlereikurs dabei waren neben den künftigen Praktikern auch Multiplikatoren, Netzwerkpartner und wissenschaftlich Tätige (unter anderen Veterinäre, Imker, Forschende, Mitglieder der European Treebeekeeping Assotiation, Angehörige des Nationalparks, Lehrkräfte von Bienenschulen der Aktion Grün, Naturschützer, Angehörige des Naturparks Saar-Hunsrück usw.). Mit diesem Beteiligtengerüst wird die weitere Aufbauarbeit des Projektes geleistet.

Außerdem wurden die Imkerverbände, Imkervereine, Kreisveterinäre, Forstämter, Naturschutzorganisationen, Naturpädagogen, die Großschutzgebietsverwaltungen in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und der Großregion über das Projekt informiert. In der Nationalparkregion außerdem die Tourismusorganisationen, Gemeinden usw. Es gab mehrere Veröffentlichungen in den regionalen Zeitungen.

Weiter wurden Bienenköniginnen der Unterart Apis mellifera mellifera in Norwegen und Schweden beschafft. Diese wurden dafür verwendet, die vorläufige Belegstelle bei Lambrecht im Pfälzerwald aufzubauen und Völker der Unterart Apis mellifera mellifera für die Nationalparkregion vorzubereiten.

Belegstelle:

Da es in unserem Raum keine Apis mellifera mellifera mehr gibt, würden eingeführte Bienen dieser Rasse durch Vermischung mit vorhandenen Bienen schnell wieder verschwinden. Deshalb braucht man ständigen Zufluss neuer Königinnen, Völker und Schwärme der gewünschten Biene, bis deren Bestand wieder stabilisiert ist. Zur Nachzucht dieser Bienen ist eine Belegstelle unverzichtbar.

Im Jahr 2017 wurde eine temporäre Belegstelle in der Nähe von Lambrecht im Pfälerwald zusammen mit dem Imkerverein Lambrecht und dem Imkerverband Rheinland-Pfalz eingerichtet. 2018 muss deren weiterer Aufbau fortgeführt werden, dazu bedarf es weiterer Königinnen und Bienenvölker örtlicher Rassen, besser aber Bienenvölker der Unterart "Apis mellifera mellifera", soweit sie beschafft werden können. Auch weitere Bienenwohnungen (Dadantmagazine) werden benötigt.

 Inzwischen laden wir zum dritten Zeidlereikurs in Rheinland-Pfalz ein:

Einladung zum dritten Zeidlereikurs im Naturpark Saar-Hunsrück mit Nationalpark Hunsrück-Hochwald am 03. bis 06. Oktober 2019

Einladung zum dritten Zeidlereikurs im Naturpark Saar-Hunsrück mit Nationalpark Hunsrück-Hochwald und Nationalparkregion

Ort: Rangerstation " Bunker Erwin" im Nationalpark Hunsrück-Hochwald 
Zeit: 03. bis  06. Oktober 2019 

In Zusammenarbeit mit dem Imkerverband Rheinland-Pfalz, dem Naturpark Saar-Hunsrück, dem Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz (PL), sowie dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald und nicht zuletzt der Imkerei „Sabienen“ aus Paderborn führt die Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (LZU) ihren dritten Zeidlereikurs durch.

Ziele des Projektes „Zeidlerei in Rheinland-Pfalz“ sind einerseits: die Zeidlerei wieder einzuführen, die Kulturtechnik der Zeidlerei wieder zu erlernen und fortzuentwickeln, begleitende Forschung zu ermöglichen, die ursprünglich in unserem Raum heimische Honigbiene Apis mellifera mellifera wieder anzusiedeln und den Honigbienen allgemein wieder, wenn auch begleitet, ein eigenständiges Überleben in unserer Landschaft zu ermöglichen und damit einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten. Andererseits anhand der Zeidlerei Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) praktisch und anschaulich umzusetzen, die Öffentlichkeit und Besucher unserer Region für die Bienen zu gewinnen, die Imkerei auf das zweite Standbein „Zeidlerei“ zu stellen und damit Bestrebungen vieler Bienenfreundinnen und Bienenfreunde zu unterstützen, denen es vor allem um die Bienen selbst geht, bzw. die Bienen wieder im Wald heimisch und frei sehen wollen.

Zeidlerei ist eine sehr alte Kulturtechnik zwischen Honigjägerei und Imkerei. Sie ist eine ausgesprochen naturnahe Form der Bienenhaltung, denn sie arbeitet ausschließlich mit Schwärmen, Naturwaben-Stabilbau, oft in so genannten Klotzbeuten, traditionell in Höhlungen lebender Bäume. Die Bienen wurden ursprünglich überwiegend nicht am Boden sondern in mehreren Metern Höhe in Bäumen gehalten. In Mittel- und Osteuropa handelte es sich dabei um die „Dunkle Biene“ oder „Waldbiene“, also Apis mellifera mellifera.

Unser Zeidlereikurs besteht aus zwei Komponenten:

A. Einem Workshop, bei dem die Kulturtechnik nach russischen und polnischen Vorbildern erlernt wird. Es werden Klotzbeuten selbst hergestellt, idealerweise je eine durch zwei Teilnehmende. Dieser Praxisteil ist auf 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrenzt. Ziel ist es, Personen zu schulen, die interessiert sind, anschließend an den Kurs Bienen in Klotzbeuten zu halten und weiter mit der Landeszentrale für Umweltaufklärung, vorwiegend in der Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald und im Biosphärenreservat Pfälzerwald, zusammenzuarbeiten. 

Zielgruppen: Praktiker, Imker und Imkerinnen, Forstwirtinnen und Forstwirte, Na-turverbundene, Menschen, die praktisch bei der Erhaltung der Bienen und ihrer möglichen, betreuten Auswilderung langfristig mitarbeiten wollen. Die während der Veranstaltung erzeugten Klotzbeuten, wie auch der Kurs selbst, sind, außer der Verpflegung/den Getränken und der Unterkunft kostenfrei. 

Die Klotzbeuten können bei Vorliegen der Voraussetzungen (dauerhafte Teilnahme am Projekt) kostenfrei mitgegeben werden. Deshalb benötigen diejenigen, die eine Klotzbeute mitnehmen wollen, einen PKW-Anhänger. Die übrigen Beuten werden zum Aufbau von Zeidlereistationen verwendet.

B. Aus drei Abendveranstaltungen und zwar am Donnerstag, dem 03.10.2019, am Freitag dem 04.10.2019 und am Samstag, dem 05.10.19, für die maximal je bis zu 80 Personen zugelassen werden. Ziel hierbei ist es, Interessenten zu informieren und Unterstützer für die Zeidlerei zu gewinnen und künftig in die Arbeit dieser vorwiegend Waldbienenhaltung zu nennenden Technik einzubeziehen. 

Zielgruppen: Einerseits die Teilnehmenden am oben genannte Workshop, andererseits Multiplikatoren, Imkervereinsvertretende, regionalpolitisch Aktive, Menschen, die Interesse an der Wiedereinführung von Apis mellifera mellifera haben, am Workshop, aber nicht teilnehmen können, Lehrkräfte von Schulen mit Bienenhaltung und solchen, die es werden wollen, Menschen, die bei der BNE engagiert sind, Fremdenführer, Ranger, Forstleute, ZNL, Waldpädagoginnen, Naturinteressierte, Forschende.

Anmeldung:
Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann melden Sie sich bitte bis spätestens 16. September 2019 mit dem beigefügten Anmeldebogen an.
Telefonische Rückfragen zur Anmeldung: Dr. Ralph Plugge, 06131-16-2527.

Bienen im Wald

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Ansprechpartner/innen
Foto von Briefkästen

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Dr. Ralph Plugge
Referent Bienenprojekte
Tel. 06131 16 2527 
plugge(at)umdenken.de
ralph.plugge(at)mueef.rlp.de